»Erdwärme für das Rheinische Revier«

Der Braunkohleabbau hat das Rheinische Revier sehr lange Zeit geprägt. Während Tagebaue und Kraftwerke sukzessive aus dem Landschaftsbild verschwinden, suchen ortsansässige Kommunen und Unternehmen nach alternativen Wärmequellen. Eine der Alternativen ist Erdwärme. Denn die so genannte Geothermie, die Nutzung der Erdwärme, kann ganze Städte mit Wärme versorgen und steht ganzjährig zur Verfügung. Geowissenschaftlerinnen und Geowissenschaftler vermuten im Rheinischen Revier ein großes geothermisches Potenzial, welches bis zu 1,7 TWh Wärme pro Jahr bereitstellen könnte, genug, um rund 135.000 Haushalte zu versorgen. 

Deshalb investieren Bund und Land in den kommenden Jahren 52 Millionen Euro in die Region, ihre Bevölkerung und die heimische Industrie, um diesen möglichen Bodenschatz zu heben. Denn, obwohl der Energiebedarf im Rheinischen Revier hoch ist (siehe Abbildung 1), ist das konkrete Wissen über den Untergrund im Vergleich zu anderen Regionen in Deutschland aufgrund mangelnder Daten gering (siehe Abbildung 2). 

 

 

Wärmebedarf in Deutschland nach Landkreisen.
© Fraunhofer IFAM
Abb. 1: Wärmebedarf in Deutschland nach Landkreisen.
Der tiefere geologische Untergrund von Deutschland – Kurzübersicht über Verteilung und Dichte geowissenschaftlicher Daten und Informationen, Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, Hannover Oktober 2014, Seite 11.
© Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe
Abb. 2: Der tiefere geologische Untergrund von Deutschland – Kurzübersicht über Verteilung und Dichte geowissenschaftlicher Daten und Informationen, Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, Hannover Oktober 2014, Seite 11.

Reallabor Geothermie Rheinland

Mit den Fördermitteln unterstützen Land und Bund das »Reallabor Geothermie Rheinland«. Fördermittelnehmer ist die Fraunhofer-Einrichtung für Energieinfrastrukturen und Geotechnologien IEG. Das Fraunhofer IEG errichtet in den kommenden Jahren eine Forschungsplattform für die Nutzung von Erdwärme und zur Entwicklung von Geotechnologien im Rheinischen Revier. Das Ziel: erforschen, welche Potentiale für Erdwärme vorliegen und wie man diese technisch sicher erschließen kann.

Hierfür untersucht das Fraunhofer IEG den geologischen Untergrund in einem rund 350 km² großen »Erlaubnisfeld zur Aufsuchung von Erdwärme für wissenschaftliche Zwecke«. Das Erlaubnisfeld liegt zwischen Aachen, Jülich und Düren und umfasst die Kommunen rund um Eschweiler. Die zuständige Bergbehörde der Bezirksregierung Arnsberg hat das Erlaubnisfeld bereits 2020 dem Fraunhofer IEG erteilt. Das Forschungsinstitut bewirtschaftet das Feld seitdem und erforscht den Untergrund.

Das Reallabor sammelt in den nächsten Jahren möglichst viele Daten über den Untergrund. Dafür wird ein so genanntes Observatorium eingerichtet, in dem die Forschenden seismologische, hydrologische und thermische Messungen durchführen. Außerdem teuft das Projektteam zwei Tiefbohrungen ab und untersucht den Untergrund mit Hilfe von geophysikalischen Messungen. Die Forschenden verknüpfen alle Daten über den Untergrund und erstellen daraus ein 3D-Modell

Reallabor Geothermie Rheinland: Mithilfe unterschiedlicher Methoden (grün) sammelt das Fraunhofer IEG Daten und nutzt diese, um etwa Anwendungen zu entwickeln und Daten für lokale Akteure zur Verfügung zu stellen (blau).
© Fraunhofer IEG
Reallabor Geothermie Rheinland: Mithilfe unterschiedlicher Methoden (grün) sammelt das Fraunhofer IEG Daten und nutzt diese, um etwa Anwendungen zu entwickeln und Daten für lokale Akteure zur Verfügung zu stellen (blau).

Chancen für das Rheinische Revier

Auf Basis dieser Daten können Kommunen und Wirtschaft Entscheidungen für ihre Wärmeversorgung treffen. Das senkt die Investitionsrisiken, schafft Planungssicherheit für alle Akteure, ermöglicht regionale Wertschöpfung und soll so den Strukturwandel im Rheinischen Revier voranbringen. Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen können das Datenmaterial als Ausgangspunkt eigener Forschung verwenden und dabei den Datenschatz immer weiter anreichern.

Am Standort Weisweiler will das Fraunhofer IEG zudem eine Infrastruktur schaffen, in der Wissenschaft und Wirtschaft neue Geotechnologien und -anwendungen erforschen und in Pilotprojekten testen können. Auch dies stärkt die Region und unterstützt die Menschen im Rheinischen Revier. 

Erfolgreiche Geothermie-Projekte

Ob heiße Quellen auf Island, Grubenwassernutzung in Heerlen oder Tiefengeothermie in München – Erdwärme steht weltweit für eine nachhaltige, lokale und unabhängige Wärmeversorgung. Hier einige Beispiele, wie Geothermie-Projekte heute schon Energie für Tausende von Haushalten liefern:

  • München ist ein prominentes Beispiel für eine erfolgreiche Transformation der Wärmebereitstellung: Die Stadtwerke München betreiben derzeit sechs Geothermieanlagen in und um München. Die Stadtwerke München versorgen so heute schon rund 80.000 Haushalte mit Fernwärme aus Tiefengeothermie. Weitere Anlagen befinden sich in der Planung. Die erste Anlage ging 2004 in Betrieb und versorgt die Messestadt und die Messe München zu großen Teilen.
  • In Frankreich werden momentan zwei Drittel der nationalen geothermischen Energie in Paris erzeugt und damit mehr als 200.000 Haushalte versorgt. Das Pariser Becken ist auch Standort der ältesten, noch in Betrieb befindlichen französischen Anlage von 1969. Weitere 36 Geothermieanlagen nutzen die Ressourcen des Pariser Beckens.
  • In der Toskana nahmen die Italiener bereits 1905 die erste Anlage zur geothermischen Stromerzeugung in Betrieb. Heute stehen hier insgesamt 34 Geothermiekraftwerke. 

Förderung

Das »Reallabor Geothermie Rheinland – Erdwärme für das Rheinische Revier« wird von folgenden Fördermittelgebern finanziert:

 

Über das STARK-Programm fördert das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz die Maßnahmen. Weitere Förderung kommt vom Land NRW, um den Transformationsprozess in den Kohleregionen zu unterstützen, wie es im Kohleausstieg von 2019 vom Bundestag beschlossen wurde. Zusätzliche Fördermittel zahlt das Land NRW gemäß dem Investitionsgesetz Kohleregionen (InvKG). Die Finanzierung nach InvKG teilt sich auf in einen Bundesanteil und einen Landesanteil. Der Aufbau des Technikums in Weisweiler kommt aus der gemeinsamen Förderung der Fraunhofer-Gesellschaft durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung und das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW. 

Logo des Bundesministerium für Wirtschaft und Energie
© Bundesministerium für Wirtschaft und Energie
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Aktuelle Meldung

Fraunhofer IEG baut ein Reallabor für Geothermie

Mit dem Kohleausstieg gilt es gleichermaßen neue Wärmequellen für Kommunen und Industrie zu erschließen, als auch den Strukturwandel in den Kohleregionen zu gestalten.

 

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