Maßnahmen zur Datengewinnung und -analyse

Seismometer
© Fraunhofer IEG/Mollwitz
Seismometer
Natürliche Seismizität
© GeoBasis-DE / BKG (2025)
Natürliche Seismizität
Seismometer
© Fraunhofer IEG
Seismometer

Observatorium

Unser Seismologisches Observatorium greift auf ein Netzwerk an Seismometern zu, die das Fraunhofer IEG und andere Forschende seit 2021 kontinuierlich in der Region installiert haben. So können wir alle Bewegungen im Untergrund erfassen – flächendeckend und in Echtzeit. 

Ein besonderer Fokus unserer Forschung liegt auf der detaillierten Analyse der natürlichen Seismizität. Das hilft uns, Quellen präzise zu lokalisieren und zu charakterisieren – und damit die physikalischen Prozesse im Untergrund besser zu verstehen. Generell lässt sich sagen, dass die Region im Vergleich zu anderen Regionen in Deutschland tektonisch aktiver ist.

Datenquelle Seismogramme: FDSN: YV (2024-2027): RUB Observational Geophysics Lab Deployment: Lower Rhine Embayment for project SIEGFRIED

Gleichzeitig begleiten wir mit den Seismometern die geplanten Bohrungen in unserem wissenschaftlichen Aufsuchungsgebiet. Mögliche Auffälligkeiten oder Veränderungen des Untergrundes gegenüber einer vorherigen Nullmessung lassen sich so frühzeitig erkennen und nachvollziehbar einordnen. Damit verfügen wir über eine belastbare Grundlage für die Ableitung geeigneter Maßnahmen.

Parallel möchten wir künftig diese seismologischen Daten über diese Website öffentlich machen. So können Sie jederzeit transparent nachvollziehen, was im Untergrund passiert.

Neben den Bodenbewegungen im Untergrund führen wir im Rahmen des Observatoriums auch hydrogeologische und thermische Messungen an und in den Bohrungen durch. Bei hydrogeologischen Messungen handelt es sich um Verfahren zur Untersuchung der unterirdischen Tiefenwässer, etwa zum Fließverhalten, zur Zusammensetzung der Wässer und deren Menge. Thermische Messungen umfassen etwa die Bestimmung von Temperaturverläufen in einer Bohrung.

Die gesammelten Daten fließen in die Modellierung des Untergrundes ein.

Mehr Informationen finden Sie unter unseren Fragen und Antworten.

Quelle Karte: © GeoBasis-DE / BKG (2025) dl-de/by-2-0

Seismiken

Eine Seismik ist eine geophysikalische Methode, die ähnlich wie ein medizinischer Ultraschall oder wie ein Echolot mittels Schallwellen arbeitet und den Untergrund untersucht. Dafür erzeugen etwa so genannte Vibrotrucks Schallwellen an der Erdoberfläche. Diese Wellen reflektieren an geologischen Schichtgrenzen im Untergrund und können so an der Oberfläche von Geophonen aufgezeichnet werden. Aus diesen Daten erzeugen die Forschenden anschließend ein akustisches Abbild des Untergrunds.

Seismische Expoloration
© Fraunhofer IEG
Seismische Expoloration
Vibrotruck mit Rüttelplatte
© Fraunhofer IEG/Griese
Vibrotruck mit Rüttelplatte
Geophon
© Fraunhofer IEG/Griese
Geophon

Die Seismik mit Hilfe von Vibrotrucks ist vor allem für versiegelte Flächen gut geeignet. Alternativ kann man auf unversiegelten Flächen, wie etwa Äckern, auch Knallkörper bzw. Sprengmittel in Bohrlöchern bis ungefähr in 20 bis 40 Meter Tiefe vergraben und damit einen Impuls auslösen. Die Reflexion der Schallenwellen und die Aufzeichnung mit Geophonen verläuft dann genau so. Diese Form der Seismik nennt man Impuls- oder Sprengseismik.

Schon in den vergangenen Jahren gab es seismische Messkampagnen im Rheinischen Revier. Diese ergänzt und erweitert das Fraunhofer IEG im Rahmen des Reallabors Geothermie Rheinland mit eigenen Messkampagnen und verdichtet damit die vorliegende Datenbasis.

Zunächst ist im Rheinischen Revier eine 2D-Seismik geplant. Dabei werden Schallwellen entlang von Linien erzeugt und deren Echos aufgezeichnet. Gegenwärtig plant das Fraunhofer IEG im Aufsuchungsfeld zwei Profile durchzuführen. Wo genau und wann diese Seismik-Kampagne stattfindet, daran arbeiten die Forschenden im Fraunhofer IEG derzeit in Absprache mit der Bergbehörde.

Das Ergebnis der 2D-Seismik ist eine akustische Abbildung des Untergrundes, jeweils unterhalb den beiden Profillinien.

2D-Seismik
© Fraunhofer IEG/Jüstel
2D-Seismik

Noch aufschlussreicher als eine 2D-Seismik ist eine 3D-Seismik. Dabei sind die Anregungspunkte flächig an der Oberfläche positioniert. Das Ergebnis ist eine dreidimensionale Abbildung des Untergrundes.

Mehr Informationen zur Seismik finden Sie beim Bundesverband Geothermie: Akquisition (Seismik) und in unseren Fragen und Antworten.

Selbstverständlich betreten wir nicht ungefragt öffentlichen oder privaten Grund – weder für die Anregung noch für die Auslage der Geophone. Für die Betretung holen Mitarbeitende eines von uns beauftragten Unternehmens (die so genannten Permitter) frühzeitig die entsprechende Erlaubnis – gegebenenfalls auch von Ihnen – ein. Auch relevante Verbände, Institutionen und Behörden (etwa Tiefbau, Verkehr, Natur, Wasser und Denkmalschutz) der anliegenden Kommunen werden von uns eingebunden. So können wir sensible Bereiche wie Brücken, unterirdische Leitungen oder denkmalgeschützte Gebäude bei den Planungen berücksichtigen und bei Bedarf umfahren.

Über die Route der Vibro-Trucks, Zeitpläne sowie alles weitere Wissenswerte informieren wir Sie beizeiten über die örtlichen Medien oder auf dieser Webseite. Zusätzlich erhalten die direkten Anwohnerinnen und Anwohner im Vorfeld eine Postwurfsendung, die über die Maßnahme informiert. Wir werden Ihnen natürlich auch Gelegenheit geben, mit uns in den direkten Austausch zu gehen. 

Die Daten aus der Seismik verknüpfen wir mit allen anderen in der Region erhobenen Daten, wie etwa den Ergebnissen der Bohrungen. So schaffen wir ein regionales Gesamtbild der geologischen Strukturen und des Potenzials für Erdwärme im Rheinischen Revier.

3D-Seismik
© Fraunhofer IEG/Kettermann
3D-Seismik Datenquelle: Emtinghausen-Barrien-Harpstedt Reprocessing2008/ID 2010 © LBEG Hannover 2024

Beispiele von Seismiken

Die Seismik ist ein etabliertes Verfahren, das häufig in Deutschland eingesetzt wird. Hier finden Sie einige Beispiele aus den letzten Jahren:

Niederrhein

Rund 75 km Seismik durch Vibro-Trucks vom 14. November bis 2. Dezember 2023, um den Untergrund bis etwa 3.000 Meter Tiefe zu erkunden.
Quelle: Seismik Niederrhein: Messungen erfolgreich beendet | Gemeinde Uedem

Münster

Großflächige 3D‑Seismik zur Erforschung von Tiefengeothermie zwischen November und Dezember 2024 im Stadtgebiet.
Quelle: Münster geht der Tiefengeothermie auf den Grund - Stadtwerke Münster

Aachen und Umland

Anfang Dezember 2025 erforschten Vibrotrucks vier Messlinien mit einer Gesamtlänge von 39 Kilometer in und um Aachen, z. B. von Würselen nach Stolberg. Quelle: Tiefengeothermie | STAWAG – Stadt- und Städteregionswerke Aachen AG

Geplant: Großraum München (Projekt GIGA M)

3D‑Seismikkampagne über ca. 1.000 km², Beginn voraussichtlich 2026, um das geothermische Potenzial zu erkunden. Quelle: Energie und Management+2tiefegeothermie.de+2

Bohrplatz Weisweiler
© Fraunhofer IEG/Jüstel
Bohrplatz Weisweiler

Bohrungen

Im Reallabor Geothermie Rheinland wollen wir in den nächsten Jahren insgesamt zwei Erkundungsbohrungen abteufen. Mit den geplanten Bohrungen werden wir erstmals direkte Einblicke in die Geologie der Region in solch großen Tiefen erhalten: etwa zur genauen Lage von Gesteinsformationen, zur Durchlässigkeit von wasserführenden Schichten und zu den dort vorliegenden Temperaturen.

Für eine Bohrung geeignet wäre etwa der Standort am Kraftwerk Weisweiler, den das Fraunhofer IEG mit der RWE Power AG im Rahmen eines vorherigen Projektes entwickelt hat. Dabei könnten die Ergebnisse der damaligen Erkundungsbohrung mit einer Tiefe von 500 Metern in das Reallabor einfließen. 

Andere mögliche Standorte im Aufsuchungsgebiet prüfen die Projektmitarbeitenden derzeit. Im Moment können wir daher noch keine Orte und Termine für die Bohrungen benennen.

Die angestrebten Bohrungen sollen eine Tiefe von ca. 4.000 Metern erreichen, damit wir einen guten Überblick über den Untergrund erhalten. Insbesondere wollen wir Gesteinsschichten wie den karbonischen Kohlenkalk, den devonischen Condroz-Sandstein und den devonischen Massenkalk mit unseren Bohrungen erschließen.

Bohrplätze müssen so gestaltet sein, dass keine Flüssigkeiten vom Bohrplatz in den Untergrund gelangen können und eine fachgerechte Entsorgung des zu Tage geförderten Materials und der Bohrspülung gewährleistet ist. Dazu benötigen wir asphaltiere Flächen mit entsprechender Entwässerungs- und Abscheidesystemen. Die Bergbehörde prüft in einem Betriebsplanverfahren, ob wir alle Vorgaben umsetzen. Nur dann erfolgt die Genehmigung zum Bau der Bohrplätze. Mehr Informationen zum Bau von Bohrplätzen finden Sie beim Bundesverband Geothermie: Bohrplatz.

Wir werden die Bohrungen durch ein umfassendes wissenschaftliches Programm begleiten: So analysieren wir zum Beispiel Bohrkerne aus dem Untergrund, Bohrklein, das mit der Spülung nach oben geschwemmt wird, sowie hydrogeologische und thermische Messungen an und in den Bohrungen. Gegebenenfalls schließt sich später auch ein Fördertest an die Bohrung an. Alle diese Daten fließen in ein Gesamtmodell ein.

Mehr Informationen zu Erdwärme-Bohrungen finden Sie beim Bundesverband Geothermie: Bohrung und unter unseren Fragen und Antworten.

Modellierung

Alle im Rahmen der Bohrungen, der Seismiken und des Observatoriums erhobenen Daten bringen die Forschenden sukzessive in ein digitales Modell des Untergrunds ein. Dieses bildet nicht nur die vorgefundenen geologischen Strukturen ab, sondern ermöglicht auch Simulationen der unterirdischen Prozesse – etwa Wärmeverteilung, Durchlässigkeiten und Druckverhältnisse in der Tiefe. Je mehr Daten in das Modell einfließen, desto genauer wird die Darstellung des Untergrundes.

Dabei liefert das Modell nicht nur eine fundierte wissenschaftliche Bewertung des Untergrundes, sondern unterstützt die regionalen Akteure auch bei der Entwicklung und Prüfung konkreter Nutzungskonzepte. Unternehmen, Energieversorger und Kommunen können so schon vor großen Investitionen mögliche Förderraten abschätzen. Sie können erkennen, wie gut die technische Umsetzbarkeit und wie nachhaltig eine Wärmeförderung wäre.

Das Modell dient somit als zentrale Entscheidungsgrundlage für weitere Maßnahmen im Rheinischen Revier, ob durch das Fraunhofer IEG oder für andere Akteure: etwa bei der Auswahl möglicher Standorte für die geothermische Nutzung.

Mehr Informationen finden Sie unter unseren Fragen und Antworten.

© Fraunhofer IEG
Geologische Modellierung vom Untergrund

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