Was ist Geothermie?

Die Erde ist aus konzentrischen Schalen aufgebaut und unterteilt sich in einen Erdkern, einen Erdmantel und die Erdkruste. Der innerste Kern ist etwa 5.000 bis 7.000 Grad Celsius heiß. Ganz außen befindet sich die vergleichsweise dünne Erdkruste, wobei die kontinentale Kruste zwischen 30 bis 70 Kilometer dick ist.

In dieser Kruste ist von der Hitze des Erdkerns immer noch etwas zu spüren. Außerdem tragen radioaktive Zerfallsprozesse in der Erdkruste weitere Wärme bei. Mit zunehmender Tiefe steigt die Temperatur an, in Mitteleuropa etwa um 3 Grad Celsius pro 100 Metern Tiefe. Somit werden in einer Tiefe von 1.000 Metern etwa 40 Grad Celsius erwartet, in 2.000 Metern 70 Grad Celsius und in 3.000 Metern bereits 100 Grad Celsius.

Geothermie macht sich diese Erdwärme zunutze. Dabei unterscheiden wir zwischen oberflächennaher, mitteltiefer und tiefer Geothermie. Außerdem gibt es verschiedene Wege, über die man die Erdwärme nutzbar machen kann: aus dem Erdreich, aus Tiefenwasser, das in bestimmten Gesteinsschichten zirkuliert oder aus mit Wasser gefüllten Stollen, wie die von ehemaligen Bergwerken. Erdwärme ist unabhängig von Wetter oder Jahreszeit jederzeit verfügbar.

Wie unterscheiden sich tiefe, mitteltiefe und oberflächennahe Geothermie?

Je nach Nutzung unterschiedlich tiefer Erdschichten unterscheidet man zwischen tiefer, mitteltiefer und oberflächennaher Erdwärme:

Oberflächennahe Geothermie

Oberflächennahe Geothermie nutzt als Wärmequelle Erdschichten, die maximal 400 Meter tief liegen. Die Temperaturen betragen in diesen Tiefen bis zu 25° Celsius. Um damit Gebäude zu beheizen, muss die »geförderte« Temperatur häufig noch mit Hilfe einer sogenannten Wärmepumpe erhöht werden. Die Erdwärme wird mit Hilfe von Kollektoren, Sonden oder Brunnen gewonnen. Größere Objekte greifen auf ganze Sondenfelder zurück.

Vielleicht ist oberflächennahe Geothermie auch für Sie privat eine gute Alternative? Wir haben im Auftrag des Landesumweltamts LANUK eine Potentialkarte für oberflächennahen Erdwärme in NRW erstellt.

Dort können Sie überprüfen, ob sich Erdwärmesonden für Ihr Haus nutzen lassen. Die entsprechende Übersichtskarte finden Sie unter: energieatlas.nrw.de.

Übrigens: Erdwärme kann nicht nur zum Heizen, sondern auch zum Kühlen genutzt werden. In 10 bis 20 Metern Tiefe beträgt die Temperatur konstant 8 bis 12 Grad Celsius. Das ist im Sommer deutlich kühler als die Umgebungsluft. Klimakälte kann man direkt aus dem Erdreich in die Gebäude leiten.

Mehr Informationen zur oberflächennahen Geothermie finden Sie etwa beim Bundesverband Geothermie: Oberflächennahe Geothermie oder beim Landesamt für Natur, Umwelt und Klima Nordrhein-Westfalen (LANUK).

Grafik Erdwärmekollektor und-sonde oder Brunnen
© Fraunhofer IEG
Grafik Erdwärmekollektor und-sonde oder Brunnen
Erdwärmesondenfeld
© Fraunhofer IEG
Erdwärmesondenfeld

Mitteltiefe Geothermie

Mitteltiefe Geothermie versorgt ganze Quartiere und Großobjekte, wie Gewerbe- und Industriebetriebe, mit Wärme aus 400 bis 1.500 Metern Tiefe. (Übrigens: Einige wissenschaftliche Quellen setzen die Grenze für mitteltiefe Geothermie auch bei 1.000 bzw. 2.000 Metern Tiefe an.) Die Temperaturen erreichen in diesen Tiefen bis zu 60° Celsius. Je nach Untergrundtemperatur und Wärmebedarf wird die Temperatur – wie bei oberflächennahen Systemen – über eine Wärmepumpe erhöht oder es ist eine direkte Nutzung der Erdwärme möglich. 

Auch zur Speicherung von Wärme und Kälte kann das Erdreich dienen: Im Sommer kann überschüssige Wärme im Erdreich gespeichert werden, um im Winter als Heizenergie zur Verfügung zu stehen. Im Sommer dient die Kälte aus dem Winter zur Gebäudekühlung.

Im Rahmen des Reallabors Geothermie Rheinland untersuchen wir auch diese Erdschichten auf ihre Eignung für Erdwärme. Die Ergebnisse sind dann vor allem für Gewerbe- und Industriebetriebe im Rheinischen Revier interessant. Aber auch öffentliche Einrichtungen, wie etwa Schwimmbäder, könnten künftig ihren Wärmebedarf durch Mitteltiefe Erdwärme decken.

In der Mitteltiefen Geothermie sind sowohl geschlossene Systeme (mitteltiefe Erdwärmesonden) als auch offenen Systeme (Dubletten) einsetzbar. 

Mehr Informationen zur mitteltiefen Geothermie finden Sie etwa beim Bundesverband Geothermie: Mitteltiefe Geothermie.

Oberflächennahe Geothermie - saisonale Wärme- und Kälteversorgung
© Fraunhofer IEG
Oberflächennahe Geothermie - saisonale Wärme- und Kälteversorgung

Tiefe Geothermie

Tiefe Geothermie nennt man die Nutzung von Erdwärme aus Gesteinsschichten, die mehr als 1.500 Meter tief im Untergrund liegen. Im Reallabor Geothermie Rheinland untersuchen wir vor allem diese tiefliegenden Schichten. Dort können Temperaturen von 55° (bei 1.500 Metern) bis ca. 130° Celsius (bei 4.000 Metern) herrschen. Erdwärme aus diesen Tiefen kann man daher gut für die Fernwärme oder als Prozesswärme in der produzierenden Industrie einsetzen. Tiefe Erdwärme fördert man vor allem mit Hilfe offener Systeme.

Man unterscheidet dabei zwischen hydrothermalen und petrothermalen Systemen:

Voraussetzung für ein hydrothermales System ist das Vorhandensein einer ergiebigen wasserführenden Gesteinsschicht in großer Tiefe. Das kann etwa in natürlichen Kluft- und Bruchsystemen oder in porösen Gesteinsformationen im Untergrund vorkommen. Sie werden analog zur mitteltiefen Geothermie mittels Tiefbrunnen erschlossen. Hydrothermale Lagerstätten sind in Deutschland in großer Zahl und in größeren Tiefen erschlossen. Die Stadtwerke Aachen (Stawag) etwa haben 2017 das erste Wärmenetz auf Basis von Thermalwasser in NRW in Betrieb genommen. Im Reallabor Geothermie Rheinland suchen wir die entsprechenden wasserführenden Schichten in benachbarten geologischen Strukturen.

Wenn es solche wasserführenden Gesteinsschichten nicht gibt, denken manche Experten im Auslaung darüber nach, auf petrothermale Systeme zurückzugreifen. Hydraulisch undurchlässiges Gestein sind in der Regel kristalline Gesteine (etwa Granite oder Gneise). Dort werden künstliche Fließwege im Reservoir durch hydraulischen Überdruck geschaffen (»Hydraulische Stimulation« oder »Fracking«). In Deutschland werden solche Konzepte nicht verfolgt. Hydraulische Stimulation ist in unserem Projekt ausgeschlossen.

Mehr Informationen zur Tiefen Geothermie finden Sie etwa beim Bundesverband Geothermie: Tiefe Geothermie.

 

Hydrothermales System
© Fraunhofer IEG
Hydrothermales System
Petrothermales System
© Fraunhofer IEG
Petrothermales System

Funktionsprinzip der Erdwärmegewinnung

Natürlicher Wärmefluss Erdinneren
© Fraunhofer IEG
Natürlicher Wärmefluss Erdinneren
Heizungswärme Tiefenbohrung
© Fraunhofer IEG
Heizungswärme Tiefenbohrung

Das Fraunhofer IEG konzentriert sich bei seiner Suche nach Erdwärmereservoirs im Rheinischen Revier auf tiefe wasserführende und wasserdurchlässige Gesteinsschichten, die sich für die hydrothermale Geothermie eignen.

Wenn ein geeignetes Reservoir im Boden gefunden ist, erschließt eine Betreiberfirma diese Erdschicht über ein so genanntes offenes oder Dubletten-System. Dabei teuft man zwei Bohrungen in die wasserführende Schicht ab. Über den Förderbrunnen (in der Grafik links dargestellt) pumpen die Betreiber der Anlage das heiße Tiefenwasser an die Oberfläche. Ein Wärmetauscher in einem Heizwerk entzieht dem Wasser die Wärme. Das nun deutlich kühlere Wasser fließt über den Rücklaufbrunnen (in der Grafik rechts) wieder in den Untergrund zurück. Dort erhitzt es sich aufgrund der hohen Umgebungstemperaturen im Erdgestein erneut. So geht in diesem stetigen Kreislauf kein Wasser verloren, sondern Energie gewonnen. 

Mehr Informationen finden Sie beim Bundesverband Geothermie: Dublette.

Neben offenen gibt es auch so genannte geschlossene Systeme für die Gewinnung von Erdwärme. Dabei installiert man ein U-förmiges Rohr – die Erdsonde – in die Erde. In dieser U-Sonde zirkuliert eine Flüssigkeit, die sogenannte Sole. Diese fließt durch das Rohr erst hinab und nach dem Tiefpunkt wieder zur Oberfläche. Auf dem Weg erwärmt sich die Sole durch die Umgebungstemperatur im Gestein. Auch hier sorgt ein Wärmetauscher dafür, dass die Wärme der Sole zum Heizen genutzt werden kann, während die abgekühlte Sole durch das U-Rohr erneut Wärme aus der Umgebung aufnehmen kann. Der Kreislauf beginnt von vorn.

Mehr Informationen finden Sie beim Bundesverband Geothermie: Erdwärmesonde.

Anwendungsfelder für Geothermie

Je nach Tiefe der Bohrungen kann man Erdwärme für die Beheizung einzelner Häuser bis hin zum Betrieb von Fernwärmenetzen nutzen. Dabei unterscheidet man zwischen tiefer, mitteltiefer und oberflächennaher Erdwärme.  Zur Illustration haben wir Ihnen einige beispielhafte Projekte zusammengestellt. Für die Erreichbarkeit und Korrektheit externer Links können wir keine Gewähr geben.

1. Oberflächennahe Geothermie (bis maximal 400 Meter)

In Deutschland sind über 470.000 Ein- und Mehrfamilienhäuser, öffentliche Einrichtungen, Krankenhäuser, Schulen und Gewerbebetriebe mit oberflächennaher Geothermie ausgestattet. Jährlich kommen etwa 31.000 neue Anlagen hinzu. Quelle: www.geothermie.de/geothermie/geothermische-technologien/oberflaechennahe-geothermie?

Fraunhofer IEG

Das Fraunhofer IEG nutzt für seine eigene Wärmeversorgung oberflächennahe Erdwärme. Mit dem »Geostar« hat es eine praktikable Lösung am Standort Bochum gefunden, Geothemiesondenfelder auch im Bestand einzusetzen.  Quelle: Schrägbohrtechnik bringt Geothermie unter den Bestandsbau

Osnabrücker Nettebad

Eine Dubletten-Anlage in 360 Metern Tiefe dient hier zur Beheizung des Schwimmbades. Die Anlage hat eine Leistung von 600 kW. Quelle: Größte Geothermieanlage in Betrieb - stadt+werk online | stadt+werk - Kommunale Klimaschutz- und Energiepolitik

Lohrheidestadion in Wattenscheid

Das Lohrheidestadion in Wattenscheid nutzt oberflächennahe Geothermie zur Wärme- und Kälteversorgung: Aus 38 je 150-Meter-tiefen Bohrungen fördern die Stadtwerke Bochum seit Sommer 2025 per Sonden die nachhaltige Energie. Quelle: Im Sommer kühl, im Winter warm

2. Mitteltiefe Geothermie (400 bis 1.500 Metern)

Geothermie-Anlage in Koekoekspolder

In Koekoekspolder, einem Gartenbaugebiet in der Provinz Overijssel, ist seit 2012 ein Geothermieheizwerk in Betrieb. Diese Anlage versorgt sechs Gartenbaubetriebe, eine Reitanlage und mehrere Gewerbegebäude mit Wärme. Quelle: eins / zwei

Ökoquartier Plaines-du-Loup (Schweiz)

Hier wird ein Erdwärmesondenfeld in 800 Metern Tiefe eingesetzt, um Wohn- und Geschäftsräume mit Wärme zu versorgen. Das Quartier soll bis 2032 etwa 8.000 Einwohner und Einwohnerinnen und 3.000 Mitarbeitende beherbergen. Quelle: Geothermie Schweiz

Technische Universität Delft

Das Geothermieprojekt in den Niederlanden will eine nachhaltige Wärmeversorgung für die Universität und angrenzende Stadtteile sicherstellen. Die geplante Inbetriebnahme des Systems ist für Ende 2026 vorgesehen mit Bohrungen bis 800 m Tiefe. Quelle: Campus geothermal project

3. Tiefe Geothermie (mehr als 1.500 Meter)

Deutschlandweit

Derzeit sind 42 tiefengeothermische Anlagen in Deutschland in Betrieb. Insgesamt 40 dieser Anlagen stellen Wärme bereit. Weitere dutzende tiefe Geothermieprojekte sind derzeit in Deutschland geplant. Diese Karte zeigt eine Übersicht der Geothermieanlagen in Deutschland: www.geothermie.de/map_demo/map.html

Energiestandort Süd in München

Seit Ende 2021 produziert die aktuell größte Geothermieanlage Deutschlands hier Erdwärme für die Bevölkerung in München. Quelle: Die Entwicklung des neuen Energiestandorts Süd | SWM Magazin

Hannover

Auf einem städtischen Grundstück in Hannover-Lahe soll ab 2027 erneuerbare Wärme aus ca. 3.200 Metern Tiefe gewonnen und in das Fernwärmenetz eingespeist werden. Quelle: Projekt Hannover - Eavor Deutschland

Geothermie-Heizwerk

Ein Beispiel für die Nutzung tiefer Geothermie in Belgien: Das Geothermie-Heizwerk von Janssen Pharmaceutica. Dort gewinnt das pharmazeutische Unternehmen mithilfe einer Produktions- und einer Injektionsbohrung in über 2.000 Metern Tiefe Erdwärme, die zur Deckung des betrieblichen Wärmebedarfs eingesetzt wird. Quelle: Bundesverband Geothermie

Das wird Sie interessieren:

 

Kartenmaterial

 

Wie erforschen wir den Untergrund?

Fraunhofer IEG nutzt eine Vielzahl von Methoden, um den Untergrund in unserem wissenschaftlichen Erlaubnisfeld so genau als möglich darzustellen:

Alle diese Daten fließen sukzessive in einem Datenraum zusammen. 

 

Sie haben Fragen? Die Antworten finden Sie in unserem FAQ.

Fragen und Antworten auf häufig gestellte Fragen haben wir für Sie hier gebündelt. Schauen Sie hier gerne rein!