Erkundung und Datengewinnung
Das Fraunhofer IEG nutzt viele wissenschaftliche Methoden, um den Untergrund in unserem wissenschaftlichen Erlaubnisfeld so genau wie möglich abzubilden:
Observatorium
Das geowissenschaftliche Observatorium bildet das Rückgrat unseres kontinuierlichen Monitorings. Über ein regionales Netzwerk aus Seismometern werden Bewegungen im Untergrund erfasst – flächendeckend. Die Sensoren liefern kontinuierlich Daten, die automatisiert aufgezeichnet und ausgewertet werden. Mögliche Auffälligkeiten oder Veränderungen können wir frühzeitig erkennen und nachvollziehbar einordnen.
Ein besonderer Fokus liegt auf der detaillierten Analyse der natürlichen Seismizität. Seismologische Quellen werden lokalisiert und charakterisiert – für ein besseres Verständnis der physikalischen Prozesse im Untergrund.
Unser seismologisches Observatorium ist bereits aktiv und überwacht seit 2021 die Dynamik des Untergrunds in der Region und liefert die Grundlage für fundierte Entscheidungen. So entsteht bereits vor und während der Erkundungsphase das Verständnis dafür, wo und unter welchen Bedingungen eine Nutzung des Untergrunds geplant werden kann.
Thermische und hydrogeologische Messungen werden in enger Verbindung mit den Erkundungsbohrungen etabliert, um die Datenbasis für die Planung geothermischer Anwendungen weiter zu verstärken.
Erkundungsbohrungen
Im Reallabor Geothermie Rheinland hat das Fraunhofer IEG zwei Erkundungsbohrungen geplant. Ziel ist die Untersuchung potenzieller geothermischer Reservoirgesteine im Nordwesten Europas – insbesondere des karbonischen Kohlenkalks, des devonischen Condroz-Sandsteins und des devonischen Massenkalks. Die Bohrungen sind auf eine Teufe von bis zu rund 4.000 Metern ausgelegt.
Damit sollen direkte Einblicke in die Geologie in der Region - hier der »Inde-Mulde« - in diesen Tiefen gewonnen werden – etwa zur genauen Lagerung der Gesteinsschichten, zur Durchlässigkeit potenzieller geothermischer Horizonte und zu den dort vorliegenden Temperaturen. Die Bohrung wird durch ein umfassendes wissenschaftliches Programm begleitet, das zum Beispiel Bohrkerne als auch kontinuierlich erfasste Messdaten analysiert und in das geologische Gesamtmodell integriert.
Seismische Messkampagnen
Seismische Messkampagnen oder geowissenschaftliche Explorationen untersuchen im Aufsuchungsgebiet den Untergrund und nutzen dabei verschiedene Verfahren, um die gesamte Region zwischen Aachen, Jülich und Düren zu charakterisieren. Dabei werden wir etwa geophysikalische Daten erheben, die auch mit den Ergebnissen der Bohrungen verknüpft werden – um ein regionales Gesamtbild der geologischen Strukturen und des geothermischen Potenzials im Rheinischen Revier zu schaffen.
Aufbauend auf früheren seismischen Messkampagnen in den 1980er Jahren führt das Fraunhofer IEG nun weitere Messungen durch. Mithilfe von Schallwellen wird ein akustisches Abbild des Untergrunds erzeugt. An geologischen Schichtgrenzen werden die Wellen reflektiert und an der Oberfläche von geeigneten Aufnehmern aufgezeichnet – so können wir ein detailliertes Bild der geologischen Strukturen im Großraum zwischen Aachen, Düren und Jülich erzeugen.
Auf diese Weise lassen sich geologische Verhältnisse auch jenseits der Bohrstandorte erfassen. Die seismischen Messungen bilden damit eine zentrale Grundlage für die regionale Bewertung des Untergrundes.
Reservoir- und Datenmanagement
Um die gewonnenen Daten optimal nutzbar zu machen, betreibt das Fraunhofer IEG ein integriertes Datenmanagement und fasst alle Ergebnisse in einem Datenraum zusammen. Dieser Datenraum dient nicht nur der Erfassung, Strukturierung und Pflege der existierenden und im Projekt gewonnenen geowissenschaftlichen Daten, sondern ermöglicht zugleich eine gezielte Nutzung durch Unternehmen in der Region.
Alle erhobenen Daten fließen in ein digitales Modell des Untergrunds ein. Dieses bildet nicht nur die geologischen Strukturen ab, sondern ermöglicht auch Simulationen der physikalischen Prozesse eines geothermischen Systems – etwa hinsichtlich Wärmeverteilung, Durchlässigkeiten und Druckverhältnissen in der Tiefe. Damit liefert das Modell nicht nur eine fundierte wissenschaftliche Bewertung, sondern unterstützt auch die Entwicklung und Prüfung Ihrer konkreten Nutzungskonzepte.
Das Modell dient somit als zentrale Entscheidungsgrundlage für weitere Maßnahmen im Reallabor, ob durch das IEG oder für Sie – etwa bei der Auswahl von Methoden und Standorten für die geothermische Nutzung.